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Weltmarktführer

Die Geschichte des Tan Siekmann

D 2004. R, B: Klaus Stern. K: Harald Schmuck, Frank Reimann, Markus Zuckermann. S: Rike Anders. M: Michael Kadelbach, Robin Proper-Sheppard, Sophia. P: sternfilm, ZDF/Das kleine Fernsehspiel. 94 Min. V: Real Fiction, Kinostart: 3.2.2005

New Economy? Richtig, vor ein paar Jahren zogen ein paar junge Manager aus, etablierte Großkonzerne das Fürchten zu lehren und die Ökonomie von Grund auf zu revolutionieren. In dieser Zeit – die Protagonist Tan Siekmann mit einem wehmütigen "damals" bezeichnet, das an die Erzählungen von Kriegsveteranen erinnert – war alles möglich, ein Gang an die Börse schien so einfach wie ein Betriebsausflug. Doch einem kometenhaften Aufstieg in allgemeiner Euphorie und Medienhype folgte auch für Siekmanns Unternehmen, die Biodata AG, der freie Fall: Geschönte Bilanzzahlen, dubiose Aufträge, die nie zustande kamen, hanebüchene Personalentscheidungen ("Wer nicht bei fünf aus dem Raum war, saß plötzlich im Vorstand") und als Folge spektakuläre Insolvenzen verwandelten den zukünftigen Weltmarktführer schnell in einen Buhmann der Nation. Der harte Aufprall in der Realität erwischte auch viele Kleinanleger kalt. Aber auch diese Krise zeigt, daß oben bleibt, was oben war, Tan Siekmann wird auch zum Prozeß mit den Keinanlegern im Porsche vorfahren, der Blick für die Not der monatelang aufs Gehalt wartenden Angestellten fehlt ihm ebenfalls, wie der Film eindrücklich mit Siekmanns Weihnachtsansprache kurz vor dem zweiten Konkurs dokumentiert. Denn angetreten mit der Leitfrage, was aus den Machern von damals geworden ist, begleitet " Weltmarktführer - Die Geschichte des Tan Siekmann" die der ersten Pleite folgende nächste Runde von Hybris, Hoffnung und Scheitern: Siekmann, einstmals einer der 70 reichsten Männer Deutschlands, hat nach dem Konkurs der Biodata AG 2001 einen Teil seines ehemaligen Unternehmens zurückgekauft und als Biodata Systems GmbH neu an den Start gebracht. Doch auch hier verliert Siekmann den Überblick, setzt auf unrealistische Hoffnungen und läßt die Mitarbeiter monatelang auf ihre Gehälter warten, bis am 21. September 2004 auch hier die Lichter ausgehen.