Was lebst du?
D 2005; B, R, K: Bettina Braun. S: Gesa Marten, Bettina Braun. P: ICON Film, ZDF/ Kleines Fernsehspiel. V: Real Fiction. 84 Min. Kinostart: 31.8.2005
Über zwei Jahre lang begleitet der Film eine in Köln lebende Gruppe von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft: Die vier Freunde Ali, Kais, Ertan und Alban, alle zwischen 16 und 20 Jahre alt, stammen aus marokkanischen, tunesischen, türkischen und albanischen Familien und haben ihren Lebensmittelpunkt im Kölner Jugendtreff "Klingelpütz". So sehr sich die Jungs in ihrer Herkunft, ihrem Temperament und ihren Träumen unterscheiden, letztlich sind alle in einer ähnlichen Situation: einem Alltag zwischen Schule und Ausbildung, traditionellem Elternhaus und westlichem Lebensstil, klischeehafter Selbstdarstellung und echten Bindungen – alle sind sie auf der Suche nach sich selbst und nach ihrem Weg im Leben. Loyalität und gegenseitiger Respekt bestimmen bei allen Differenzen den Umgang miteinander, wobei der Ton oft rauh und direkt ist. Auf den ersten Blick bestätigen Ali, Kais, Ertan und Alban durch Machogehabe und Sprücheklopferei gängige Vorurteile, auf den zweiten Blick jedoch durchbrechen sie diese Klischees, Selbstinszenierung und Posen fallen oder werden selbstironisch kommentiert.
Der Film bewegt sich hierbei zwischen großer Nähe und diskreter Distanz: Abmachungen, was gezeigt, wann aber auch die Kamera abgeschaltet werden soll, sind vorhanden und werden thematisiert – denn die vom Medium Fernsehen geprägten Protagonisten sind durchaus nicht unkritisch im Umgang mit den Fragen der Regisseurin. Zum Katalysator der offenkundig engen Beziehung zwischen Filmemacherin und Protagonisten wurde die in "Was lebst du?" zunächst eher unfreiwillig dokumentierte Schwangerschaft von Bettina Braun: Am Anfang steht ihr Satz "Ich bin schwanger" und die Reaktionen der Jungs darauf, dann sieht man die Protagonisten – alles erfahrene Onkel und große Brüder in muslimischen Großfamilien – im Umgang mit dem Baby, bis der weißblonde kleine Ole schließlich laufen kann und selbst erste Schritte im "Klingelpütz" macht.