Crossing the Bridge
R,B: Fatih Akin. K: Hervé Dieu. S: Andrew Bird. P: corazón international, intervista digital media, NDR. M,D: Alexander Hacke, Baba Zula, Orient Expressions, Duman, Replikas, Erkin, Koray, Ceza, Istanbul Style Breakers, Mercan Dede, Selim Sesler, Brenna MacCrimmon, Siyasiyabend, Aynur, Orhan Gencebay, Müzeyyen Senar, Sezen Aksu. V: NFP, Pictorion Pictures. Kinostart: 9.6.2005
Alexander Hacke, seit über 20 Jahren Mitglied der Band Einstürzende Neubauten, lernte im Zusammenhang mit der Musikproduktion für Fatih Akins Film „Gegen die Wand“ das musikalische Leben in der türkischen Metropole Istanbul kennen und unterstützt jetzt Akins neues Projekt in vielerlei Hinsicht: Hacke packt nicht nur seine Baßgitarre ein und springt selbst bei der psychedelischen Folkband Baba Zula als Bassist ein, er aktiviert auch sein mobiles Aufnahmestudio und ein "Wundermikrophon", mit dem er schon viele Stimmen und Klänge aus aller Welt eingefangen hat. Mit einer Verfahrensweise, die er "Street-Recording" nennt und die es erlaubt, an jedem erdenklichen Ort eine professionelle Musikaufnahme zu machen, fängt er die musikalische Vielfalt Istanbuls ein – ein breites Spektrum von modernen elektronischen Klängen, über Rock und Hip-Hop bis zu klassischer "Arabesque-Musik". Fatih Akin begleitet Alexander Hacke bei dieser Mission mit der Kamera und porträtiert Istanbuls lebendige Musikszene, deren Musik überall in der Stadt präsent ist und die von ihren Einwohnern heiß geliebt wird. Über Porträts der für westliche Ohren nicht ganz so ungewohnt klingenden Rock- und Punkbands wie Duman und die Replikas, deren gemeinsames Vorbild, die türkische Rocklegende Erkin Koray, und der jungen Istanbuler HipHop-Szene, nähert man sich einer Besonderheit in der Musik, der "türkischen Synkope": Zusätzlich zu den in der westlichen Musik vorherrschenden Zwei-, Drei-, oder Vier-Viertel-Takten zeichnet sich die Musik der Türkei durch das zusätzliche, prägende Element des 5/8-Takts aus.
Kommerzielle türkische Superstars wie die Musik- und Filmikone Orhan Genecebay, der die "Arabesque", den Einfluß der arabischen Folklore, für sich entdeckt hat oder die Diva Sezen Aksu, die auch "Die Stimme Istanbuls" genannt wird, werden einfachen Straßenmusikanten und Roma-Jamsessions gegenüber gestellt, Zeitdokumente werden verknüpft mit aktuellem Material. Bei aller Liebe zu Istanbul werden auch politische Spannungsfelder deutlich, etwa wenn die kurdische Sängerin Aynur, eine weitere Facette traditioneller Folklore repräsentierend, über ihren musikalischen Weg gegen alle Widerstände berichtet: Bis 1990 war die kurdische Sprache als Bestandteil dieser Kultur in der Türkei verboten, und erst seit kurzem werden kurdische Lieder öffentlich gesendet, bis dahin hat sie sich immer wieder mit massiven Widerständen bei öffentlichen Auftritten auseinander setzen müssen.